Toleranz für Ideen
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Toleranz für Ideen

07.01.2020:

Toleranz ist eine der wichtigsten Tugenden in modernen Gesellschaften. Der Begriff "Toleranz" ist nicht ganz einfach zu erklären: Ein Mensch übt Toleranz aus, wenn er das Verhalten anderer Menschen duldet oder sogar unterstützt, obwohl er selbst es nicht als gut betrachtet. Beispiel: Wenn eine Zeitgenossin konservativ eingestellt ist und freizügige Kleidung nicht richtig findet, dann verhält sie sich tolerant, indem sie im Hochsommer die sich halbnackt in der Öffentlichkeit bewegenden Mitmenschen gewähren lässt. Anderes Beispiel: Eine vorwiegend christliche Nachbarschaft zeigt sich tolerant, wenn sie der ansässigen Moschee ihren öffentlichen Gebetsruf zugesteht.

Auch von Nerds ist mitunter viel Toleranz gefordert. Manchen Nerds fällt der am Arbeitsplatz oder auf Parties verbreitete Smalltalk sehr schwer. Sie können hier Toleranz üben, wenn sie auf Smalltalk nicht mit Arroganz reagieren. Genau so ist es ein Akt der Toleranz, jemanden nicht als psychopathisch oder unsozial abzustempeln, nur weil er Konventionen wie Smalltalk nicht befolgt.

Toleranz auszuüben ist für alle Menschen anstrengend - Toleranz zu empfangen dagegegen für alle sehr erfreulich.

In manchen Zeiten ist Toleranz aber nicht nur gegenüber Menschen und ihren unmittelbaren Verhaltensweisen wichtig, sondern auch gegenüber Ideen. Gerade befinden wir uns als Menschheit wieder in so einer historischen Phase, in der viele soziale Konventionen und vermeintliche wissenschaftliche Gewissheiten durch neue Ideen infrage gestellt und in der viele neue Lösungen für Probleme angeboten werden: Ist Datenschutz wirklich so wichtig, wie die DSGVO ihn macht? Sind Elektroautos eine zukunftsfähige Technik? Ist der Klimawandel noch aufzuhalten? Wie viele Arbeitsplätze werden durch Digitalisierung vernichtet und wie viele neu geschaffen werden?

In Gesprächen sind viele Menschen aufgrund ihrer Überzeugtheit von bestimmten Ideen, ihrer generellen Skepsis oder sogar ihrer Angst vor Veränderungen schnell dabei, die von Anderen geäußerten Ideen lächerlich zu machen und Lösungsansätze als unmöglich darzustellen. In Zeiten schneller Veränderungen ist dies jedoch gefährlich; denn die Welt verändert sich immer und manchmal nimmt die Veränderung mehr Dynamik an, als wir Menschen es erwartet und gewünscht haben. Die einzig richtige Reaktion auf dieses Phänomen sind nicht etwa weniger, sondern im Gegenteil noch mehr Ideen, über die sehr offen und konstruktiv diskutiert werden muss.

Weder Konservatismus noch Progressivismus als Grundhaltung sind etwas Schlimmes, aber sie müssen tolerant sein. Also, liebe Mitbürgerinnen, habt keine Angst vor Ideen und seid tolerant - auch wenn es manchmal nicht einfach ist.

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