Pflegenotstand
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Pflegenotstand

23.02.2020:

In Deutschland ist seit einigen Jahren viel vom Pflegenotstand die Rede. Blickt man auf die Arbeitsbedingungen und den Personalmangeln in manchen Pflegeeinrichtugen, ist der Ausdruck "Pflegenotstand" auch nicht übertrieben. Aber es gibt auch Zahlen die eine andere Perspektive eröffnen - eine Perspektive, die zugleich verstörend und ermutigend ist.

Werfen wir also einen Blick auf einige dieser Zahlen; denn wir sind Nerds und wir wollen es genau wissen.

Laut dem Zentrum für Qualität in der Pflege wird die Zahl von Pflegebedürftigen in Deutschland bis 2050 auf 4,5 Millionen ansteigen - das sind 1,1 Millionen mehr als im Jahr 2017. (Boll-Westermann, S. 10) Natürlich sind das viele Menschen. Es stehen jedoch auch noch 30 Jahre zur Verfügung, um sich auf dieser Veränderung einzustellen. Das dies keine Überforderung unseres Landes sein sollte, wird deutlich, wenn man die 1,1 Millionen zusätzlichen Pflegebedürftigen auf verschiedene Weise auf Zeit und Raum umrechnet.

So gibt es in Deutschland knapp 15.000 stationäre Pflegeeinrichtungen. (Statistisches Bundesamt) Verteilt man die über 33 Jahre zunehmende Zahl an Pflegebedürftigen auf diese Einrichtungen, ergeben sich gute 70 Pflegeplätze, die pro Einrichtung neu geschaffen werden müssen. Kleine Einrichtungen können das natürlich nicht leisten, aber für sehr große Einrichtungen wie beispielsweise das Möllner Augustinum würde das lediglich ein zusätzliches Stockwerk bedeuten. Und die auch gut 14.000 ambulanten Pflegedienste in Deutschland (Statistisches Bundesamt) kommen hinzu, um den Bedarf zu decken.

Wenn dies also tatsächlich einen Pflegenotstand darstellt, liegt es nicht an der demographischen Entwicklung, sondern wie so oft an der Verteilung von Ressourcen und der Organisation von Arbeit in unserer Gesellschaft. Wir müssen uns politisch und zivilgesellschaftlich darauf einigen, vernünftige Prioritäten zu setzen: weniger Geld für teure Fernsehshows und Spitzensport, maßvolle Gehälter für Topmanager, maßvolle Gagen für Topmodels, weniger Unterhaltungselektronik, Reduzierung der aufgeblasenen Werbeindustrie... Es gibt in Deutschland massives Potential, um Kosten zu sparen - und das ohne die Lebensqualität zu reduzieren oder in Sozialismus und Planwirtschaft zu verfallen.

Wir müssen in Deutschland zu angemessenen Prioritäten finden. Und wir müssen einen bewussten Unterschied zwischen vernünftigen Bedürfnissen und unanständigem Luxus machen. Gelänge uns das, dann würde der Pflegenotstand zu einer ganz normalen Aufgabe, die ruhig angegangen werden kann.

Quellen:
[1] Susanne Boll-Westermann und andere: Pflege 2050 - Wie die technologische Zukunft der Pflege aussehen könnte, in: Ralf Suhr, Zentrum für Qualität in der Pflege (Hrsg.): ZQG-Report Pflege und digitale Technik.
[2] Statistisches Bundesamt: https://www.destatis.de/DE/Themen/Gesellschaft-Umwelt/Gesundheit/Pflege/_inhalt.html, abgerufen am 23.02.2020.

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