Ein neues Steuersystem für Deutschland: Beispiel Lohnsteuer
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Ein neues Steuersystem für Deutschland: Beispiel Lohnsteuer

18.04.2020:

Eines von Nerdhallas Zielen für Deutschland ist es, ein radikal einfacheres Steuersystem zu verwirklchen oder, besser gesagt, die Entscheider von der Notwendigkeit eines solchen zu überzeugen. Wie kompliziert und grotesk unser aktuelles Steuersystem ist, und wie es Erfolg verhindert und eine Kultur von Frust und Neid perpetuiert, wird an vielen Beispielen deutlich.

In diesem Kapitel unserer Saga beschäftigen wir uns mit der Lohnsteuer - und zwar aus Sicht von Unternehmerinnen. Es beginnt mit einem einfachen Prinzip: Die Unternehmerin zahlt Lohnsteuer auf Löhne und Gehälter ihrer Mitarbeiter. Es ist aber nicht nur das Geld zu versteuern, das den fleißigen Kollegen aufs Konto überwiesen oder bar in die Hand gedrückt wird, sondern die Lohnsteuer gilt auch für andere geldwerte Vorteile, die die Chefin ihrem Team gewährt: die kleine Aufmerksamkeit in Form von Pralinen oder einem Buch zum Geburtstag, die Flasche Sekt zur Hochzeit, die private Fahrt mit einem Firmenwagen, die Einladung zur betrieblichen Weihnachtsfeier, die Pizza bei der Mittagsbesprechung, die gemeinsame Teilnahme an einer Sportveranstaltung und und und. Alles kann unter die Lohnsteuer fallen oder auch nicht. Manche Dinge wie persönliche Aufmerksamkeiten oder gesundheitsfördernde Maßnahmen sind bis zu gewissen Wertgrenzen und unter gewissen Umständen steuerfrei. Aber um in den Genuß solcher Ersparnisse zu kommen, muss die Unternehmerin dafür sorgen, dass alles einzeln dokumentiert wird - um im Zweifel nachweisen zu können, dass sie nicht Steuerhinterziehung betreibt, indem sie jedem Mitarbeiter monatlich Pizza und Döner im Gesamtwert 1000 Euro kauft und dafür das Gehalt kürzt.

Da komplizierte Regeln sich nicht ohne Kontroll- und Sanktionsmöglichkeiten durchsetzen lassen, kann das Finanzamt natürlich entscheiden, die fragliche Unternehmerin zu prüfen. In den bei solchen Prüfungen entstehenden Berichten offenbart das deutsche Steuerregime dann mitunter seine wahre Natur:

In einem jüngst von Nerdhalla eingesehenen Lohnsteueraußenprüfungsbericht wird die Teilnahme an öffentlichen Firmenläufen und Ruderwettbewerben nicht als Gesundheitsförderung anerkannt, da bei solchen Sportveranstaltungen der Wettbewerbsgedanke im Vordergrund stehe. Jeder, der schon einmal an Volkssportveranstaltungen teilgenommen hat, weiß jedoch, dass hier nicht der Wettbewerb, sondern das Gemeinschaftsgefühl im Vordergrund steht. Amateurläuferinnen werden von Zuschauern angefeuert. Rudermannschaften beglückwünschen sich gegenseitig ob ihrer fantasievollen Kostüme. Tausende tun gemeinsam etwas für ihre Gesundheit.

Und es kommt noch besser: In besagtem Prüfbericht wird allen Ernstes erklärt, dass die Einnahme von Mahlzeiten keine dienstliche Tätigkeit darstelle, auch wenn sie "auf Anweisung des Arbeitgebers" geschehe. Natürlich ist dies nur eine ungenaue Formulierung. Gemeint ist die Anweisung der Unternehmerin, sich zu einer Besprechung an einem bestimmten Ort einzufinden, wo gleichzeitig Speisen und Getränke gereicht werden. Trotzdem beschreibt der Satz genau genommenen, wie unsere Chefin ihre Leute anweist, die Speisen in den Mund zu nehmen, zu kauen und zu schlucken - ganz nach dem alten Bundeswehr-Motto: Wenn der Herr Offizier einlädt, dann wird getrunken!

Unser Steuersystem bringt es mit sich, dass freundliche Gesten von Unternehmerinnen gegenüber den Mitarbeitern einen erheblichen Verwaltungsaufwand zeitigen. Die Frage, ob es nicht einfacher wäre, der gesamten Belegschaft eine Pauschale Gehaltserhöhung zu gewähren und ab sofort Jeden sein Essen bei der Weihnachtsfeier selbst zahlen zu lassen, drängt sich geradezu auf. Solche lästigen Fragen sind Ausdruck einer äußerst unnerdigen Kultur. Frust, Angst, Neid, Misstrauen und Fantasielosigkeit kristallisieren sich alle am Umgang der Bürger, der Finanzpolitik und der Finanzämter miteinander. Wie wir Nerds es uns stattdessen ausmahlen, werden wir in Kürze unter dem Menüpunkt "Bundesrepublik Nerdland" näher ausführen.

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