Sollten Nerds Sport treiben?
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Sollten Nerds Sport treiben?

25.04.2020:

Der klassische Nerd als solcher ist unsportlich. Es ist der Gymnasiast, der statt Fußball zu spielen seinen Nachmittag in der Schach-AG verbringt; oder die Studentin, die statt zum Tanzkurs zu gehen lieber noch zwei Stunden länger in der Bibliothek bleibt. In amerikanischen Highschool- und College-Filmen sind die Nerds bis in die 1990er-Jahre Loser und graue Mäuse.

Aber das muss heute nicht mehr so sein. Die Welt hat zu einem gewissen Grad verstanden, was sie an den Nerds hat, und ist allgemein etwas toleranter geworden. Man verspielt seine Nerd-Credibility nicht gleich, weil man eine Runde Joggen geht oder ein paar Liegestütze macht. Außerdem sind Nerds seit jeher für Überraschungen gut. Das zeigt schon der Obernerdcharakter der 1990er Jahre, Steve Urkel, als er in einer Folge von "Family Matters" den kräftigen Polizisten Carl beinahe im Armdrücken besiegt und seine Kraft damit erklärt, dass er jahrelang für die anderen Schüler die Bücher geschleppt habe.

Dass Nerds traditionell nicht so viel und nicht so gerne Sport machen wie viele Andere, mag an den Genen liegen: Wer von klein auf er intellektuell veranlagt ist, trainiert mehr den Geist als den Körper. Und je mehr Raum die kopflastigen, sitzenden Interessen wie Lesen, Basteln, Programmieren oder Zeichnen einnehmen, desto schwerer fällt es auch, Zeit für Fitness zu finden. Dabei können ein paar Muckis und ein bisschen Dehnbarkeit nicht schaden. Und auch fünf Kilometer in entspanntem Dauerlauf zurückzulegen, sollte eigentlich zum Standardrepertoire der meisten gesunden Menschen zwischen 15 und 55 gehören.

So eine solide Grundausstattung mit körperlicher Fitness ist nicht bloß schick, sondern hat auch Gründe, die Nerds sehr zupass kommen sollten: Schon die alten Römer sagen "mens sana in corpore sano" - "gesunder Geist im gesunden Körper". Damit wird ein Zusammenhang zwischen Körper und Geist angedeutet, den die moderne Wissenschaft zu bestätigen scheint. Eine schwedische Studie zeigt die Bedeutung guter Herz- und Lungenfunktion, die durch richtiges Training gefördert wird, für erfolgreiche geistige Tätigkeit auf.[1] Eine weitere Studie will gezeigt haben, dass Balanceübungen den IQ steigern [2], und noch eine Studie - diesmal aus Ulm - zeigte einen Zusammenhang zwischen Lauftraining und Konzentrationsfähigkeit [3]. Dies sind nur drei Beispiele für starke Hinweise darauf, dass Sport im Sinne der Nerds ist.

Natürlich sind in der Fitness-Szene mindestens so viele Mythen wie Fakten virulent. Nicht zuletzt Blogger und Youtuberinnen versprechen in Scharen Dinge wie "Do these five exercises every morning and you will be amazed by the results." Bestenfalls das stehende Heer von Nordkorea hätte genügend Zeit, um diese angeblich so tollen Rezepte alle zu testen. So bleibt aber allen Nerds jede Menge Material für spannende - natürlich vorsichtige - Selbstversuche in Sachen Fitness. Dokumentiert in einem Forschungsjournal und begleitet von ein wenig Laienstudium der menschlichen Anatomie wird aus dem lästigen Sport eine nerdige Beschäftigung - und der Nerd hat beste Voraussetzungen schneller schlank und fit zu werden, als Disney-Kinderstars zu twerkenden Popsternchen mutieren.


Quellen:

[1] Rolf H. Latussek: In einem gesunden Körper wohnt doch ein gesunder Geist, in: https://www.welt.de/welt_print/wissen/article5440320/In-einem-gesunden-Koerper-wohnt-doch-ein-gesunder-Geist.html, abgerufen am 22.04.2020
[2] Focus Online: Der Einfluss von Schlaf, Essen und Joggen auf die Intelligenz, in: https://www.focus.de/wissen/mensch/tid-5435/intelligenz_aid_52370.html, abgerufen am 23.04.2020.
[3] Zeit Online: Wundermittel Bewegung, in: https://www.zeit.de/zeit-wissen/2014/02/sport-bewegung-gesundheit-therapie/seite-3, abgerufen am 24.02.2020.



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