Firefox Bild-in-Bild
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Firefox Bild-in-Bild

12.06.2020:

Die tollen Leute von Mozilla bieten in ihrem superben Webbrowser "Firefox" neuerdings eine Funktion an, die bei uns Recken von Nerdhalla ein verhaltenes Stirnrunzeln auslöst. Die Rede ist von der "Bild-in-Bild"-Funktion, die es Firefox-Nutzerinnen ermöglicht, im Browser laufende Videos immer in der Bildschirmecke zu sehen, auch wenn sie von Firefox in ein anderes Programm wechseln.

Jetzt ist es mit Firefox noch einfacher möglich, beispielsweise eine Präsentation auf Youtube anzusehen und nebenbei Notizen mit Libreoffice Writer zu machen. Oder man kann das vermeintlich wichtige Katzenvideo aus dem Augenwinkel weiter verfolgen, während man eigentlich schon wieder den Code-Editor aktiviert hat und an einer neuen Java-Anwendung arbeitet.

An dem letzten Beispiel soll sich auch die Kritik aufhängen: Das Wort "Prokrastination" ist unter Studenten und jungen Berufstätigen zu einem so verbreiteten Schlagwort geworden, dass die Frage berechtigt ist, ob die alte, drollige "Aufschieberitis" sich zu einer ernstzunehmenden Volkskrankheit der digitalisierten Welt auswächst. Was für den Alkoholiker Bier und Korn sind, sind für die chronische Aufschieberin Web-Videos. Genau wie nur noch ein Kurzer ja wohl nicht schaden kann, wird man nach noch einem kurzen Videoclip über Katzenbabys oder Cthulhu ja auch wirklich weiterarbeiten. Enter Firefox mit der neuen Bild-in-Bild-Funktion: Nun braucht die Prokrastiniererin vermeintlich nicht mehr zu prokrastinieren, denn sie kann per Multitasking gleichzeitig ihren Bericht schreiben und Videos gucken. Angesichts der Tatsache, dass Multitasking von vielen seriösen Leuten inzwischen in das Reich der Mythen eingeordnet wird, scheint Firefox seinen Nutzern hier einen zweifelhaften Dienst zu erweisen. Diese zugegebenermaßen ingeniöse und in vielen Fällen sehr bequeme Funktion dürfte die Konzentrations- und Effizienzprobleme, die viele Zeitgenossen bei der Arbeit am Computer haben, eher noch verschlimmern. Ein Urproblem der Digitalisierung, nämlich die Überladung von Menschen mit Informationen, erhält hier neuen Treibstoff.

Wichtiger als Kritik an einem lustigen Firefox-Feature ist aber wie so oft der Appell an die Nutzerin, das Instrument richtig einzusetzen. Daher sei an dieser Stelle allen Nerds ans Herz gelegt, die sowieso immer wichtige kritische Reflexion des eigenen Verhaltens nicht zu vernachlässigen: Kann ich wirklich ein Video in der Ecke meines Bildschirms laufen lassen und gleichzeitig meinen eigenen Qualitätsansprüchen entsprechend arbeiten? Kriege ich von dem Video überhaupt genug mit oder sehe ich es nachher sowieso noch einmal? Grundsätzlich gefragt: Bin ich mit meinem Recherchieren, Schreiben, Programmieren, Lernen oder was auch immer ich am Computer tue, auf dem Weg, auf dem ich sein will? Oder nehmen Katzen, Cthulhu und andere Helden der Onlinezerstreuung schon den größten Teil meiner Zeit und Aufmerksamkeit in Beschlag?

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