Shakespeare und Informatik
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Shakespeare und Informatik

26.07.2020:

Informatik ist zu einer der großen Wissenschaften geworden. Mit ihrem unbestrittenen praktischen Nutzen steht sie heute gleichberechtigt neben Medizin und Maschinenbau. Dank ihres festen theoretischen Fundaments kann sie sich auch mit Grundlagendisziplinen wie Chemie und Physik messen. Und das, obwohl sie die denkbar einfachste Grundlage aller Fächer hat: 0 oder 1, an oder aus, wahr oder falsch. Die Informatik hat den anderen Wissenschaften etwas voraus: Sie hat ihre Grundsubstanz, aus der alles zusammengesetzt ist, bereits gefunden: Es sind die Bits, die kleinsten Bestandteile von Informationen, die entweder den Wert 0 oder den Wert 1 haben. 0 kann dabei als "falsch", "aus", "keine Spannung liegt an", "kein Strom fließt" oder ähnliches interpretiert werden. 1 steht konsequenterweise für "wahr", "an", "Spannung liegt an" oder "Strom fließt".

Vielleicht sind Bits aber nicht nur die Grundlage der Informatik. Auch die Physik interessiert sich für die Vorstellung, dass Information die Allem zugrunde liegende Bausubstanz des Universums ist, siehe zum Beispiel https://science.orf.at/v2/stories/2880065/ und https://www.youtube.com/watch?v=w0ztlIAYTCU, beide abgerufen am 26.07.2020.

Folgt man dieser Idee, dann drängt sich eine weitere Ausdrucksweise der zwei möglichen Zustände eines Bits auf: Sein oder Nicht-Sein. Hat der alte Shakespeare es schon geahnt?

Natürlich ist der Grundbaustein von allem, was (real) ist - also von allem, was es gibt - das Sein; die Tatsache, dass es ist. Dieser Satz klingt kompliziert, ist aber trivial. Aber wo der Informatik mit 0 oder 1 als Grundlage bestens gedienst ist, läuft die Physik hier zwangsläufig auf ein Paradoxon zu. Denn während sich Konzepte wie Materie und Antimaterie vielleicht noch gegenüberstellen und quantizieren lassen, können Sein und Nicht-Sein nicht gegeneinander aufgewogen werden. Alles ist Sein. Was nicht ist, kann auch nicht gemessen, berechnet oder charakterisiert werden. Wenn sich sich Information als Grundlage von Allem herausstellt, kommt die Physik damit bis auf Weiteres an ihrem Ende an.

Dieses Szenario wird vermutlich irgendwann eintreten, ist jedoch noch weit entfernt. Und seine Voraussetzung ist eine Welt, in der die Menschen viel mehr als heute kooperieren, um derartige wissenschaftliche Anstrengungen überhaupt zu ermöglichen. Die Welt in tausend Jahren, wenn alle Fragen der heutigen Wissenschaft gelöst sind, hat gute Chancen auch im Alltag viel besser zu sein als die Gegenwart.

Natürlich wissen wir Nerds, dass die Suche nach Erkenntnis und dem Ursprung des Universums nie enden wird, solange es Leben auf diesem oder auf anderen Planeten gibt. Und wenn die Naturwissenschaft vorübergehend auf unlösbare Widersprüche stößt, kann es helfen, sich Klassikern der Kunst zuzuwenden. Wo Naturwissenschaftlerinnen die Vernunft bemühen, versuchen Dichter mit Intuition und Emotion, sich dem Wesen des Universums zu nähern. Shakespeare nahm nicht nur mit "Sein oder Nicht-Sein" eine elementare Frage moderner Wissenschaft quasi im Vorbeigehen vorweg, sondern mahnte auch ausdrücklich: "There are more things in heaven and earth, Horatio, than are dreamt of in your philosophy." Auch Goethe schickte seinen Doktor Faust auf die Suche nach dem "was die Welt im Innersten zusammenhält". Und Douglas Adams äußerte einen Gedanken, der nur für die neugierigsten und optimistischsten Nerds nicht frustrierend ist:

"There is a theory which states that if ever anyone discovers exactly what the Universe is for and why it is here, it will instantly disappear and be replaced by something even more bizarre and inexplicable. There is another theory which states that this has already happened." (Douglas Adams: "The Restaurant at the Ende of the Universe, Lodon 1980, S.0)

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