Nerdigkeit und Recht und Freiheit
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Nerdigkeit und Recht und Freiheit

03.10.2020:

Zum Tag der Deutschen Einheit 2020 ist der Titel dieses Sagakapitels "Nerdigkeit und Recht und Freiheit" vielleicht etwas provokant oder sogar unsensibel gewählt. Ist es nicht unangemessen, das Wort "Einigkeit" durch etwas anderes zu ersetzen? Schließlich war die Deutsche Einheit jahrzehntelang das Ziel ausdauernder politischer Bemühungen und ihr Fehlen Quell von viel Kummer. Das moderne Deutschland wurde in die Bundesrepublik und die "DDR" getrennt, und der östliche Teil des Landes durch die Sowjetunion kulturell korrumpiert und heruntergewirtschaftet - als wäre ganz Deutschland durch die Nazis noch nicht genug korrumpiert, heruntergewirtschaftet und zerstört worden. Das Drama gipfelte 1989 scließlich in der friedlichen Wiedervereinigung eines geteilten Landes - ein weltweit einmaliger Vorgang, um den uns manche Völker beneiden.

Deutsche führten Freudentänze vor dem Fernseher auf, als die Nachricht vom Mauerfall verkündet wurde. Familien und alte Freundschaften fanden wieder zusammen.

Auch heute, 31 Jahre nach dem Mauerfall, tun wir Deutschen gut daran, uns an diese Sternstunde unserer Geschichte zu erinnern und dankbar zu sein - dankbar den Bürgerrechtsaktivistinnen in der "DDR", dankbar ostdeutschen Grenzpolizisten, die in einer Situation höchster Anspannung kühlen Kopf bewahrt haben, dankbar ostdeutschen Politikern wie Günther Schabowski, dankbar westdeutschen Politikern wie Helmut Kohl, dankbar auch Präsident Ronald Reagan und Generalsekretär Michail Gorbatschow.

In aller Dankbarkeit und in Demut angesichts der Frage, wie wir uns selbst in der damaligen Situation verhalten hätten, gilt es heute aber auch, in die Zukunft zu blicken und zu fragen, wie es mit "Einigkeit und Recht und Freiheit" weitergeht. Die Einigkeit Deutschlands ist immer noch wichtig, muss aber in globalem Kontext gedacht werden. Wir sind heute selbstkritischer geworden und verschließen unsere Augen nicht mehr vor der Tatsache, dass der Wohlstand, den wir im geeinten Deutschland genießen, teilweise mit dem Elend in anderen Teilen der Welt erkauft ist. Wir sehen auch, dass wir uns auf unserem wirtschaftlichen, wissenschaftlichen und kulturellen Erfolg nicht ausruhen können, sondern ständig arbeiten, lernen und debattieren müssen, um mit dem weltweiten Fortschritt mitzuhalten - um eine humanistische und digitalisierte Wirtschaftsmacht in der Welt zu bleiben.

Freuen wir uns heute über die Einigkeit. Aber morgen - ja, schon am Sonntag - arbeiten wir wieder an der Nerdigkeit.

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