Wie wird man ein Nerd?
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Wie wird man ein Nerd?

28.12.2020:

Ein Nerd ist nach unserer Auffassung nicht zwangsläufig ein sozial ungeschickter Technikfreak, sondern jemand, der sich zu dem Credo von Nerdhalla bekennt. Wir halten es für erstrebenswert, ein solcher Nerd zu sein. Aber wie wird man es? Muss man zum Nerd geboren sein, gibt es eine Ausbildung oder muss man wie der Prophet eine Offenbarung erhalten? Unter extrem fitten, gutaussehenden Leuten gibt es die Redensart "Wenn es einfach wäre, würde es jeder machen." Gemeint ist dies gewisserweise als Motivation: Willst du einen athletischen Körper? Dann streng dich gefälligst an oder lass es gleich bleiben! Manche strengen sich an, und Andere lassen es bleiben. Aber wenn ich nunmal meinen inneren Schweinehund nicht überwunden kriege - bleibt es mir dann auf ewig verwehrt, meinen Körper zum Supermodel oder analog meinen Geist zum Nerd zu machen? Wäre es so, dann wären wir wieder auf unsere Veranlagung zurückgeworfen; quasi genetisch in Faule und Motivierte getrennt. Dann müsste man tatsächlich als Nerd geboren sein. Aber so einfach ist es - zum Glück - nicht. Schon das legendäre Computerspiel "Planescape Torment" stellte die Frage "Was kann das Wesen eines Menschen ändern?" ins Zentrum seiner Handlung. Es gab der Spielerin verschiedene mögliche Antworten auf diese Frage an die Hand. Die finale Antwort lieferte das Spiel aber indirekt: Nur die Akzeptanz seiner selbst - was man war, was man ist, und was man werden will - kann einen Menschen ändern.

Wir sind also wieder beim griechischen "gnoti seauton", zu deutsch etwa "sich selbst erkennen", angelangt. Ist es das, was einen Menschen vom Normalo zum Nerd werden lässt? Ehrlich und wertschätzend zu sich selbst zu sein, die eigenen Stärken und Schwächen zu kennen und strategisch an diesen zu arbeiten, um die eigenen Ziele zu erreichen? Nun, wenn die erwähnten Ziele mit dem Credo von Nerdhalla kompatibel sind, dann ist man in der Theorie bereits ein Nerd. Aber letztendlich müssen alle Menschen sich nicht an ihren Gedanken, sondern an ihren Taten messen lassen.

Und wie bekommt man seine Taten auf die Reihe? Was, wenn man in der Schule nicht aufgepasst hat oder auch bei der größten Anstrengung schlicht nicht mitgekommen ist? Was, wenn man weder für Mathe, noch für Musik, noch für Fremdsprachen ein Talent hat? Was, wenn man sich schon so daran gewöhnt hat, den Feierabend mit Fernsehserien, Chips und Bier zu verbringen? Was, wenn der Job stressig ist oder die Kinder einem keine ruhige Minute lassen? Zugegeben, in solchen Situationen ist es schwer, das eigene Leben aktiv zu verändern und an der körperlichen oder geistigen Fitness zu arbeiten.

Aber man kann mit kleinen Schritten anfangen. Literatur und Youtube-Videos gibt es dazu in Hülle und Fülle. Auch bei Nerdhalla sind wir uns nicht zu fein, auf diesen Zug aufzuspringen und - absolut ernstgemeinte - Ratschläge zu geben, um das eigene Nerd-Potential zu entfalten:

Lesen:
Lest mindestens ein Buch im Quartal. Da ein Quartal etwa 90 Tage hat, braucht ihr pro Tag nur 4 Seiten zu lesen, um vier Bücher von 360 Seiten pro Jahr zu schaffen. Wissenschaftlich fundiertes Fitnesstraining? Automechanik? Deutsche Geschichte? Grundlagen der Betriebswirtschaft? Was darf es sein? Stellt euch die immensen Fortschritte vor, die ihr machen werdet, falls ihr bisher gar nicht oder nur einen Liebesroman pro Jahr lest. Die Zeit für vier Seiten pro Tag findet man sogar mit Kindern UND stressigem Job.

Die richtigen Freunde finden:
Die eigenen Gewohnheiten und die eigenen Freundinnen passen meistens irgendwie zusammen, zumindest wenn man Menschen nur unter der Bedingung als "Freundinnen" definiert, dass man ein Mindestmaß an Zeit mit ihnen verbringt. Wenn ihr euren Fernsehkonsum reduzieren und dafür den Literaturkonsum erhöhen wollt, reduziert ihr womöglich auch den Gesprächsstoff mit den bisherigen Freunden. Falls diese mit Desinteresse oder gar Ablehnung reagieren, wenn man über interessante Bücher sprechen möchte, wird es vermutlich Zeit, den Freundeskreis zu verändern. Leute müssen her, die die Leidenschaft für Bildung teilen, den werdenden Nerd ermutigen und auch ein bisschen fordern.

Zeitfresser eliminieren:
"Ich sehe jeden Abend nach der Arbeit zur Entspannung eine Folge meiner Lieblingsserie - mehr nicht. Trotzdem bleibt mir keine Zeit mehr für Weiterbildung oder kreative Hobbies." Fall ihr euch in in diesem Satz wiederfindet, solltet ihr euch fragen, ob ihr wirklich einmal genau untersucht habt, wofür die Freizeit draufgeht. Jeden Abend wirklich nur eine Folge der Lieblingsserie? Oder wird vorher noch ein bisschen auf Netflix gestöbert, um die nächste Lieblingsserie zu finden? Werden hinterher vielleicht noch "ganz kurz" drei Youtube-Videos übers Backen geschaut und ein Rezept auf chefkoch.de rausgesucht? Werden im Laufe des Abends Whatsapp-Nachrichten mit Freundinnen hin- und hergeschickt und wird der Facebook-Status von Kolleginnen gecheckt? Werden Tweets von Youtube-Stars gelesen? Viele solcher Dinge, die man unbewusst oder "nur mal kurz" macht, werden leicht zu einer halben Stunde oder mehr pro Tag - Zeit, die man in Lesen oder Sport investieren könnte.
Beim Job ist es nicht anders. Wer ständig Überstunden schiebt und deswegen kaum noch Freizeit hat, sollte auch in der Firma oder Behörde nach heimlichen Zeitfressern suchen und etwas dagegen tun: Nicht selten wird an ein fünf- bis zehnminütiges Gespräch über berufliche Angelegenheiten ein ebenso langes Privatgeplauder angeschlossen. Wer diese Angewohnheit hat, kann bestimmt zwei- oder dreimal pro Woche eine halbe Stunde früher nach Hause gehen und trotzdem die selbe Leistung bringen. Vor allem aber stellt bitte sicher, dass ihr nicht zu den Leuten gehört, die ihren Kolleginnen bei jeder Gelegenheit zehnminütige Vorträge darüber halten, wie viel sie zu tun haben.

Ziele festlegen:
Wer der Zeitverschwendung im Alltag den Kampf ansagt, sollte idealerweise auch wissen, warum er das tut. Worein wollt ihr den Gewinn an Zeit und eure Lebenszeit überhaupt investieren? Möglichst viele Sprachen lernen? Die Geschichte der Menschheit studieren? Künstler, Unternehmerin oder Politiker werden? Eine soziale Initiative starten? Gerade wenn neben dem Broterwerb oder den familiären Verpflichtungen wenig Zeit und vielleicht auch wenig Geld für die Arbeit an nerdigen Träumen zur Verfügung stehen, sollten s.m.a.r.t.e Ziele (das berühmte Akronym "Spezifisch, Messbar, Anspruchsvoll, Realistisch, Termininiert") gesteckt werden. Solche Ziele könnten zum Beispiel lauten "nächstes Wochenende fünf polnische Vokabeln lernen" oder "dieses Jahr ein Buch über das antike Rom lesen" oder "jeden Monat 25 Euro vom Gehalt zurücklegen" oder oder oder...

Und so wird man eine Nerd. Oder so ähnlich. Ehrlich gesagt wissen wir es leider auch nicht genau. Aber probiert es bitte alle aus und teilt uns die Ergebnisse mit - denn wir sind Nerds und wir wollen es genau wissen.

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