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Mädchen und ihre Prioritäten

26.01.2021:

In einem Artikel vom 29.08.2019 beschäftigt sich Petra Maier von Spiegel Online mit dem Frauenanteil in Studienfächern und Berufen des MINT-Spektrums: Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik. Wie schon die Formulierung "Frauenanteil" andeutet, geht es darum, dass Frauen hier nach wie vor eine kleine Minderheit darstellen - massiver Förderung zum Trotz. Fast anderhalb Jahre später, am 24.01.2021, greift Achim Sawall das Thema in einem Artikel für Golem wieder auf und bestätigt den Befund der Spiegel-Autorin.

Die Artikel gehen auch der Frage nach, warum das so ist. Für den Bereich der Informatik, wo der Frauenanteil in den letzten Jahren zumindest gestiegen ist, wird die Erklärung bemüht, der Informatik hafte ein nerdiges Image an, was Mädchen abschrecke. Die jungen Frauen würden fürchten, einen Teil ihrer Weiblichkeit einzubüßen und in den Augen der Gesellschaft zu einem schlacksigen, bebrillten Bill Gates aus dem Jahr 1995 zu mutieren, wenn sie sich in einen IT-Beruf begäben. Diese Assoziation ruft zumindest der Golem-Artikel mit einem Bild von Bill Gates hervor. Die populäre Fernsehserie "The Big Bang Theorie" erweise der Informatikerinnen-Förderung auch einen Bärendienst, da MINT-Frauen als "unattraktiv und nerdig" dargestellt würden und dies Mädchen abschrecke - so der Spiegel-Artikel.

Angesichts solcher Zeilen grollt der Himmel von Nerdhalla ganz erheblich. Hier gilt es sowohl zu differenzieren als auch nachdrücklich eine sehr ernst gemeinte Frage zu stellen.

Zunächst zur Differenzierung:
In der Fernsehserie "The Big Bang Theory" gibt es die drei Physiker Leonard, Sheldon und Rajesh sowie den Ingenieur Howard. Ihnen wird die Figur der blonden, vollbusigen Kellnerin Penny gegenübergestellt, die zwar formal ungebildet, aber weder dumm noch oberflächlich ist. Im weiteren Verlauf der Serie erscheinen mehrere Wissenschaftlerinnen: die Mikrobiologin Bernadette, die Neurobiologin Amy, die Psychiaterin Beverly sowie die Physikerinnen Leslie und Alex. Von diesen Figuren werden nur Amy und Beverly als im klassischen Sinne "nerdig" - also genial aber sozial unbeholfen und sexuell nicht besonders attraktiv - dargestellt. Bernadette ist zwar etwas speziell und oft schüchtern, aber auch charmant, sexy und außerdem durchsetzungsfähig, wenn es sein muss. Leslie legt einen weder modebewussten noch aufreizenden Kleidungsstil an den Tag, hat aber vermutlich das aufregendste Sexleben aller Figuren. Und Alex schließlich ist eine sympathische, charakterlich ausgeglichene und gut aussehende wissenschaftliche Hilfskraft.

Die Behauptung, dass MINT-Frauen in "The Big Bang Theory" pauschal nerdig im negativen Sinne dargestellt würden, hält also näherer Betrachtung nicht stand.

Nun zur angekündigten Frage:
Wenn es über die Fernsehserie "The Big Bang Theory" hinaus tatsächlich so ist, dass Mädchen sich - besorgt um ihre Weiblichkeit - vom "Nerd-Image" abschrecken lassen, dann müssen vielleicht die Naturwissenschaften an ihrem Image arbeiten. Aber müssen nicht vor allem junge Frauen an ihren Prioritäten arbeiten? Und müssen Eltern und Lehrer nicht verstehen, dass die Nerd das neue weibliche Ideal ist und den Mädchen auf den Nerd-Weg helfen? Rhetorische Fragen - natürlich müssen sie das! Es gibt viele Gründe, sich für oder gegen einen Beruf zu entscheiden - aber das Image dieses Berufes sollte in einem freien Land wie Deutschland kein Grund sein. Vor allem sollte jede sich für ein Arbeitsfeld entscheiden, das ihr Freude bereitet und das nützlich ist. Wenn Mädchen sich aus Angst, als verkopfte unsexy Nerd keinen Macker abzukriegen, gegen eine wissenschaftliche Ausbildung entscheiden, ist das traurig und darf nicht so bleiben. Denn ehrlich: Mit einem Mann, der sich von einer unmodischen Brille oder "zuviel" Intelligenz abschrecken lässt, wird sowieso keine Frau glücklich. Das gibt nichtmal guten Sex - denn Sex ist wie Mathematik: Das Wichtigste findet im Kopf statt.

Übrigens darf es auch nicht so bleiben, dass junge Männer sich gegen einen Beruf als Erzieher oder Krankenpfleger entscheiden, weil sie fürchten, dann als schwul oder Memme zu gelten. Und so sind wir wieder einmal bei der Erkenntnis angekommen, dass die inneren Werte entscheiden sind - und kein oberflächliches Image.

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