Das pubertierende Gehirn
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Eveline Crone: Das pubertierende Gehirn - Wie Kinder erwachsen werden, München 2011

14.04.2020, sh

Durch das Buch möchte die Autorin, Professorin für kognitive Entwicklungspsychologie, Eltern und Lehrkräfte informieren, wie die Entwicklung des Gehirns viele von der Gesellschaft kritisierte Verhaltensweisen von Jugendlichen erklären kann. Zunächst wird eine Begriffsklärung vorgenommen: Die Zeit der Jugend oder Adoleszenz umfasst die Zeit zwischen 10 und 22 Jahren. Darüber hinaus wird die Pubertät als eine Phase darin verstanden.

Mit einer Mischung aus Biologie in Hinblick darauf, wie das Gehirn aufgebaut ist und wann sich welche Teile entwickeln, aus Psychologie bzgl. der Konsequenzen unterschiedlich „gereifter“ Areale, unter Verweis auf zahlreiche nicht nur eigene Studien und insg. mehr als 120 wissenschaftliche Beiträge, und aus einprägsamen Fallbeispielen von Jugendlichen, die von Elternhaus und Gesellschaft oft kritisierte Verhaltensweisen an den Tag legen – Launenhaftigkeit, Risikofreudigkeit, fehlende Selbstorganisation –, schafft es Crone, wissenschaftliche Fakten in einem easy read zu verpacken. So erfährt der Leser fast nebenher, dass Jugendliche am Wochenende bis mittags schlafen müssen (!), damit sie ihren – aus Erwachsenensicht verkorksten und für Schulzeiten sehr hinderlichen – verschobenen Bio-Rhythmus zumindest halbwegs in den Griff kriegen. Genauso liegt es an der unterschiedlichen Entwicklung zusammenwirkender Gehirnteile, dass für Jugendliche das langfristige Planen zwar kognitiv erfassbar aber oft nicht umsetzbar ist. Hier werden von der Autorin auch Maßnahmen für eine besser passende gesellschaftliche Teilhabe der Jugendlichen angedeutet, wie z.B. die nach-hinten-Verschiebung der ersten Schulstunde und der Fokus auf das Loben statt Kritisieren.

Es geht ihr aber explizit nicht darum, Jugendliche zu verteufeln oder nur auf mutmaßliche Mängel hinzuweisen; Menschen gelinge gerade in diesem Alter auch viel Positives: Kreativität, sportliche und musikalische Höchstleistungen und (politisches) Engagement entstünden gerade aus den unterschiedlich ausgebildeten Gehirnarealen.

Lohnt sich dieses Buch für Nerds?
Ja, denn alle drei Bereiche der Nerdhalla-Philosophie sind angesprochen:
„Leben“ – durch die Fallbeispiele unterhält das Buch und ist die Zeit des Lesens absolut wert!
„Lieben“ – durch die Empathie, die die Autorin den Jugendlichen in ihren Beschreibungen entgegenbringt und das Verständnis auf Seiten der Erwachsenen, was dadurch gefördert werden soll, transportiert das Buch eine positive Grundhaltung; erwähnenswert sind auch die gelegentlichen Hinweise, dass bestimmte Verhaltensweisen trotz ausgereiftem weil erwachsenen Gehirn längst nicht von allen Erwachsenen erfolgreich umgesetzt werden.
„Lernen“ – u.a. gonadotropin-releasing-hormons, Basalganglien, Hypothalamus, Amygdala, Stroop-Aufgabe, dorsolateraler präfrontaler Kortex – ‘nough said…

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