Das Foucaultsche Pendel
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Umberto Eco: Das Foucaultsche Pendel, München 1989

03.06.2020, cg

Dieser Roman des berühmten Italieners Umberto Eco ist oberflächlich betrachtet ein Veschwörungs-Roman, der durchaus verschiedene Werke von Dan Brown inspiriert haben könnte. Unter der Oberfläche steckt aber deutlich mehr. Es finden sich interessante psychologische und soziologische Betrachtungen, feinsinniger Humor und nicht zuletzt einige Nerd-Themen. Schon Ende der 1980er Jahre, als Digitalisierung noch mindestens zwanzig Jahre davon entfernt war, ein Massenthema zu werden, lässt Eco seine Figuren darüber debattieren, ob und wie Computer Antworten auf zutiefst menschliche Fragen liefern und zum Beispiel das Geheimnis der Thora entschlüsseln können.

Die Art, wie das Thema "Verschwörungstheorie" aufgegriffen, historisch beschrieben und spielerisch analysiert wird, ist lesenswert und lässt erahnen, welchen Spaß der Kulturwissenschaftler Eco dabei hatte, Informationen aus allen Orten und Zeiten der Menschheit in einer Romanhandlung zusammenzubringen.

Die Sache hat nur einen Haken: Die 750 Seiten von "Das Foucaultsche Pendel" sind derartig voll mit exotischen Informationen, dass nur ein Leser, der auf ein ganzes Leben unermüdlichen Generalstudiums zurückblickt, alles wertschätzen und den Roman wirklich verstehen kann. Unter anderem wechseln sich philosophische, mythologische und sozialwissenschaftliche Fachbegriffen ab mit Latinismen und Gräzismen, portugisischen und arabischen Namen, und schließlich Zitaten aus nahezu allen mitteleuropäischen Sprachen. Aber auch das gehört hier zum anspruchsvollen Konzept: Eco führt vor, wie Personen sich in ihren eigenen Spinnereien verstricken und den Blick für Fakt und Fiktion verlieren können.
Außerdem legt die Struktur und Selbstreferenzialität des Romans nahe, dass auch dieses Buch wie jedes gute Verschwörungsdokument eine versteckte Botschaft enthält.
Lohnt sich dieses Buch für Nerds?
Trotz vieler nerdiger Aspekte insgesamt eher nicht. Für die Meisten dürfte der Großteil des Buches eher Arbeit als Vergnügen sein. Nur einige wenige, an Geschichte, Mythologie und Esoterik besonders interessierte Hardcore-Leseratten dürften an diesem Roman wirklich Freude haben. Fans der "political philosopy" von Leo Strauß bietet sich eine Schatztruhe möglicher geheimer Botschaften inklusive Numerologie an, die den Spaß dafür umso größer macht. Solche Rezipientinnen müssen sich dann aber mit der Erkenntnis arrangieren, dass sie vermutlich in die selbe Verschwörungstheorie-Falle tappen wie die Figuren in dem Roman.

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