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Der Charme der Shell

Die Eingabeaufforderung, auch Shell genannt, seines Betriebssystems zu verstehen ist nicht nur hilfreich, sondern fühlt sich auch wunderbar an.

20.07.2021

Die Eingabeaufforderung, auch "Shell" genannt, ist das tatsächliche und klischeehafte Markenzeichen von Hackerinnen und Nerds. In Filmen und Fernsehreportagen sitzen sie stets vor dunklen Bildschirmen mit weißer oder bunter Schrift und hacken auf ihren Tasturen unbeirrt vor sich hin. Damit wird eindrucksvoll die Aussage inszeniert, dass hier eine Expertin mit nahezu übermenschlichen Fähigkeiten am Werk ist. Der Kontrast zum 0815-Nutzer, der oft nicht einmal die Mausrad-Scrollfunktion oder das dynamische Duo der Tastenkombinationen Strg+C und Strg+V kennt, könnte kaum größer sein.
Auf modernen Computern kryptische Befehle einzutippen anstatt mit der Maus auf freundliche Icons zu klicken, ist aber nicht nur ein Statement zur Klarstellung der eigenen Nerdigkeit. Es hat in manchen Nutzungs-Szenarien tatsächlich Vorteile - vorausgesetzt man hat schon eine Weile geübt, kennt viele Befehle und kann schnell tippen.

Für Computerfreaks eines bestimmten Alters hat die Shell zudem sentimentalen Wert. Wer unter Windows 3.1 oder Windows 95 noch in den DOS-Modus wechseln musste, um Computerspiele wie "Chewy Escape from F5" oder "Alone in the Dark" zum Laufen zu bringen, kennt den erhebenden Moment, wenn sich aus der dunklen Technikwelt der Eingabeaufforderung plötzlich die bunte Fantasiewelt des Spieles entfaltet. Gewissermaßen war die eigene Vorstellungskraft schon erhöht und nahm das Spiel besonders stark auf: denn wer nur einen schwarzen Bildschirm, ein Laufwerkskürzel und einen blinkenden Tastaturcursor vor sich sieht, muss den Kopf anstrengen: In welchem Verzeichnis befinde ich mich? Wo will ich hin? Wie starte ich ein Programm? Diese Fragen müssen als Voraussetzung für die Arbeit mit der Eingabeaufforderung nicht nur beantwortet, sondern vorher aktiv gestellt werden. Eine grafische Benutzeroberfläche mit Mauscursor dagegen lädt dazu ein, blindlings auszuprobieren - irgendetwas wird schon passieren. Wie ein Roman die Fantasie stärker stimuliert als ein Film, so verhält es sich auch zwischen der textbasierten Eingabeaufforderung und der grafischen Oberfläche mit Schaltflächen.

Ob jüngere Nutzerinnen dieses emotionale Verhältnis zur spartanischen Shell nachvollziehen können, sei dahingestellt. Auf jeden Fall können sie aber das Erfolgserlebnis haben, Befehle im Web oder sogar in einem Buch nachzulesen, auszuprobieren, die Ergebnisse zu sehen und mit Übung immer schneller zu werden. Bald können sie dann sogar weniger versierte User beeindrucken - und hoffentlich im nächsten Schritt auch für diesen nerdigen Ansatz begeistern.



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