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Die vielleicht letzte Chance für den Westen

Der Sieg der Taliban in Afghanistan ist ein furchtbarer Weckruf für den Westen - nicht der erste, aber es könnte gut der letzte sein. Lasst uns endlich aufwachen!

16.08.2021

Heute überschlagen sich die Nachrichten aus Afghanistan: die Taliban haben Kabul eingenommen und stehen anscheinend dafür, die Regierungsgewalt im ganzen Land zu übernehmen. Wie schon 2001 bei der Zerstörung des World Trade Centers in New York, 2003 bei den Luftangriffen auf Baghdad und bei so vielen anderen Katastrophen und Krisen sieht die Welt live zu. Wie viel Unrecht verübt werden und zu wie viel Leid es kommen wird, ist aktuell nicht absehbar. Die offiziellen Verlautbarungen der Taliban lassen verhalten hoffen.

Für die Mächtigen dieser Welt, insbesonder die westliche Staatengemeinschaft, ist dies nach Finanzkrise, Klimakatastrophe und Corona ein weiterer Offenbarungseid: Wir haben der Welt in sozialer und ethischer Hinsicht anscheinend wenig zu bieten, oder aber wir behalten es bewusst für uns. Wie sonst kann es sein, dass zwanzig Jahre westlicher Präsenz in Afghanistan wirkungslos geblieben sind? Was wollten wir angeblich in Afghanistan an den Mann und nicht zuletzt die Frau bringen: Demokratie, Menschenrechte, Bildung, Wohlstand und so.

Wir haben es in zwanzig Jahren nicht geschafft, die Taliban von den westlichen Werten zu überzeugen. Genau so wenig haben wir es geschafft, dem afghanischen Rechtsstaat zu Wehrhaftigkeit und der afghanische Gesellschaft zu Einheit zu verhelfen. Vielleicht haben wir es auch nie ernsthaft versucht, weil unser echtes Interesse an Afghanistan nur darin bestand, uns für die 9-11-Anschläge zu rächen und strategische Zugänge zu Zentralasien sichern.

Afghanistan macht heute wieder einmal deutlich, dass unser moralischer Kompass schrottreif ist. Oder aber es ist der magische Kompass von Jack Sparrow, der in Richtung dessen zeigt, was man in der Welt am meisten begehrt. Nur leider ist so ein Zauberkompass nutzlos, wenn man nicht weiß, was man will.

Deswegen müssen die Gesellschaften des Westens sich schleunigst hinsetzen und ernsthaft in sich gehen. Sie müssen sich fragen, WIR müssen uns fragen, wofür wir stehen, arbeiten und nötigenfalls auch kämpfen. Meinen wir es ernst mit dem Fortschritt? Sind wir bereit, mit anderen Menschen zu teilen und sie wie Erwachsene zu behandeln, auch wenn sie uns fremd sind? Haben wir den Mut, andere Kulturen ernstzunehmen und gleichzeitig rote Linien aufzuzeigen? Geduldig, freundlich aber bestimmt immer wieder auf die Menschenrechten zu bestehen und unseren Worten gegenüber Verbrechern und Diktatoren auch Taten folgen zu lassen? Gegenüber Feinden der Freiheit unnachgiebig zu sein, aber immer mit dem Angebot, sich eines besseren zu besinnen und sich dem Fortschritt anzuschließen?

Auf diese Fragen müssen wir Antworten finden. Und wenn die Antworten nicht "Ja" lauten, haben die Ideale der europäischen Aufklärung, die ganz klar die richtigen Ideale für die Menschheit sind, keine Zukunft.

Und falls die Probleme der Welt noch eine Nummer zu groß sind, müssen wir SOFORT damit anfangen, den Werten der Aufklärung (die auch die Werte aller Nerds sind) wenigstens in Deutschland zu einer kraftvollen Renaissance zu verhelfen.



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