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Make Love and Math

Deutsche müssen wieder lernen Mathe zu lieben. Das ist gar nicht so schwer, wenn man bedenkt, dass in der Liebe nicht alles perfekt sein muss.

17.10.2021

Deutschland hat lange im Dornröschenschlaf gelegen: Aus dem Land, das geistige Pioniere wie Karl-Friedrich-Gauss, Albert Einstein, Emmy Noether und Konrad Zuse hervorgebracht hat, ist die Berliner Republik geworden, die daran laboriert, dass ihr maßgeblich auf der Wolfsburger Autoindustrie und der Rhein-Main-Chemieindustrie beruhender Erfolg von der Digitalisierung überrollt und abgehängt wird. Da hilft es nicht, dass Mathematik so ungeliebt ist, dass selbst ein Arte-Beitrag aus der Reihe "Mathewelten" mit den Worten beginnt: "Die Welt der Mathematik ist exotisch und äußerst befremdlich. [...] Keine Sorge: Wir werden nicht wirklich Mathematik betreiben." (https://www.arte.tv/de/videos/097454-004-A/mathewelten/) Die Angst vor Mathematik scheint vielen Deutschen (und Franzosen) aus der Schule noch in den Knochen zu sitzen.

In einer Zeit, in der Deutschland seinen Rückstand auf hoch Mathematik-lastigen Forschungsfeldern wie Kryptologie, Maschinellem Lernen, Quantencomputern und Batterietechnik aufholen will, ist ein Volk aus Mathemuffelinnen ein echtes Problem. Aber selbst wenn wir nur die Auto- und Chemieindustrie des 20. Jahrhunderts aufrecht erhalten wollten, bräuchten wir viele Leute, die keine Angst von Matrizen, Integralen, Differenzialen, Polynomen, Trigonometrie, Geometrie, komplexen Zahlen und Logik haben. Denn die Ingenieurswissenschaften und selbst angewandte Chemie sind voller Mathematik. Sogar Maurer, Dachdecker und Zimmerleute brauchen ein bisschen Geometrie und Dreisatz, um ihre Arbeit erfolgreich erledigen zu können.

Ja, die Mathematik, die für angewandte moderne Wissenschaft nötig ist, ist anspruchsvoll. Und reine Mathematik selbst ist vielleicht nicht einmal so kompliziert wie Maschinenbau und Elektrotechnik, dafür aber unglaublich abstrakt. Trotzdem muss man kein Wunderkind sein, um sie zu lernen. Talent hilft, ersetzt aber nicht das fleißige Üben. Wer glaubt, mathematische Formeln niemals entziffern zu können, sollte versuchen, sich an die Kindheit zu erinnern, als er weder lesen, noch schwimmen, noch radfahren konnte. Alle diese Aufagben erschienen beim ersten Anblick unmöglich, wurden dann aber so gründlich gelernt, dass sie völlig selbstverständlich im Alltag angewendet werden können.

Warum funktioniert das bei Mathematik nicht?

Das Schulsystem hat sich zugegebenermaßen nicht mit Ruhm bekleckert. Zeitweise wurde zugunsten von Theater AGs und Projekttagen vielleicht schlicht zu wenig Mathematik unterrichtet. Und dann haben manche Lehrer es sich vielleicht gelegentlich zu einfach gemacht, und sich mit ihren zwei oder drei Mathe-Genies in der Klasse beschäftigt, statt die überforderte Mehrheit mitzunehmen. Und Mathe ist eben ein bisschen anspruchsvoller als Lesen, Schwimmen und Radfahren.

Während das Schulsystem in langsamen, mühsamen Anstrengungen verbessert wird, können und sollten wir Alle auch selbständig an unserer mathematischen Bildung und der unserer Kinder arbeiten. Gelegentlicher Sport ist wichtig, um den Körper fit zu halten. Gelegentliche Beschäftigung mit Mathematik ist gut, um den Geist fit zu halten. Ein paar Rechenübungen pro Woche gehören in jeden Haushalt - angefangen damit, dass Mama und Papa die vergessenen Regeln für schriftliche Division und Dreisatz wieder erlernen und so auch ihren Kindern ein Vorbild sind. Wenn das wieder sitzt, kann man sich z.B. an Polynomdivision und Matrixmultiplikation wagen. Wer keine Kinder zu Hause hat, kann die Freunde mit einbeziehen: vor dem Feierabendbier den letzten Kaffee des Tages einnehmen und dazu ein bisschen das Gehirn trainieren.

Wer das zu nerdig findet ist einfach selbst noch nicht nerdig genug.

Wir haben zwar verlernt, Mathe zulieben - aber Mathe liebt uns immer noch. Jede noch so ungeschickte Sonntagsmathematikerin ist immer wieder in den Armen des Lovers Mathe willkommen - auch wenn sie ihn vorher jahrelang ignoriert hat. Und warum Mathe sogar für echten Sex gut ist, kann man in Clio Cresswells legendärem Vortrag "Mathematics and Sex" erfahren: https://www.youtube.com/watch?v=H2vN2QXZGnc.



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