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Kindliche Bildung

Aus Anlass einer neuen Studie zur Smartphone-Sucht vieler Kinder und Jugendlicher sagen wir Nerds ein paar Worte zu kindgerechter Bildung

15.03.2025

Laut einer Studie der Krankenkasse DAK und der Universitätsklinik Hamburg-Eppendorf ist ein Viertel der Kinder und Jugendlichen in Deutschland süchtig nach Smartphonenutzung, Computerspielen oder beidem. Dies ist aus verschiedenen Gründen dramatisch: Sucht jeder Art wirkt sich negativ auf die Leistungsfähigkeit beim Lernen und Arbeiten aus. Volkswirtschaftliche Schäden zulasten unseres Wohlstandes sind also vorprogrammiert. Genau so traurig ist die persönliche, menschliche Dimension. Sucht macht Menschen kaputt. Mittel- oder langfristig wird es anstrengend, sie zu befriedigen, und gleichzeitig leidet die Gesundheit unter dem eintönigen Lebensstil und das Selbstwertgefühl unter der Unproduktivität. Im Falle der Smartphone-gebundenen Mediensucht kommt noch die Sorge, etwas zu verpassen, hinzu. Im endlosen Angebot von Youtube, Tiktok, Twitter(X) etc. ist immer die Möglichkeit dabei, dass der nächste Beitrag genau der sein könnte, der den nächsten großen Trend auslöst, der Views und Likes im Stream bringt und zum Gesprächsstoff auf dem Schulhof wird. Das Smartphone beiseite zu legen und Hausaufgaben zu machen oder schlicht zu schlafen, dürfte deshalb für viele ähnlich schwierig sein, wie es für Spielsüchtige ist, dem Einarmigen Banditen den Rücken zuzudrehen. Das nächste Spiel könnte schließlich den großen Gewinn bringen. "Soziale Medien" setzen Kinder und Jugendliche so ähnlich stark unter Druck, wie E-Mails die Leute im mittleren Management unter Druck setzen.

Vermutlich sind die direkten Gesundsheitschäden durch exzessive Beschäftigung mit "Sozialen Medien" und Videospielen nicht so gravierend wie die Schäden durch Alkohol, Tabak und anderen Drogen, die körperlich eingenommen werden. Aber die Schäden an Skelett und Muskelapparat, die durch sehr langes Sitzen und den permanent übers Smartphone gebeugten Kopf entstehen, sind auch nicht zu unterschätzen. Und die damit einhergehende Bewegungsarmut schlägt sich negativ auf Herz und Kreislauf nieder.

Hinzu kommt, dass hier von Kindern und Jugendlichen die Rede ist. Ihre Körper einschließlich ihrer Gehirne - und verbunden damit ihre Persönlichkeiten und ihr Wissen - sind noch in Entwicklung. Diese Entwicklung ist besonders anfällig für Störungen, die schlimmstenfalls im ganzen Leben des Menschens bemerkbar bleiben. Unglücklichkeit und Unproduktivität sind, wie schon erwähnt, die Folgen. (vgl. Heffler 2024)

Die Tatsache, dass überhaupt so viele Kinder und Jugendliche von Mediensucht betroffen oder an der Schwelle dazu sind, legt natürlich die Frage nahe: Was haben die Eltern getan - oder eher: nicht getan. Waren sie nicht in der Lage oder nicht willens, in ihren Kindern Interesse an der greifbaren dreidimensionalen Welt, die immer noch das direkte zu Hause von uns Menschen ist, zu wecken? Oder haben sie nicht verstanden, was sie getan haben, als sie ihre Kinder schon in jungen Jahren eine Symbiose mit dem Smartphone eingehen ließen?

Da wir mit sehr wenigen Ausnahmen allen Eltern - auch den nicht-nerdigen - unterstellen, das Beste für ihre Kinder zu wollen, muss es wohl das letzte gewesen sein. Deshalb erklären wir im Folgenden genauer, weshalb Smartphones so süchtig machen, weshalb sie Kindern und Jugendlichen schaden und welche kindgerechten Bildungsmaßnahmen Eltern stattdessen ergreifen sollten.

Smartphones und ihre Software, allen voran mobile Spiele sowie die "Sozial Media"-Anwendungen wie Tiktok, sind optimiert, um mit geringstem Aufwand Bestätigung und Erfolg erlebbar zu machen. Dies erklärt bereits ihr Suchtpotential; denn Bestätigung und Erfolg sind Dinge, wie wir alle täglich suchen. Genauer muss man allerdings von scheinbarer Bestätigung und scheinbarem Erfolg sprechen. Denn die Interaktionen auf Chat- und Videoplattformen vermitteln zwar den Eindruck, von Gleichgesinnten soziales Kapital wie Anerkennung, Bestätigung und Rückhalt zu bekommen. Es bilden sich dadurch aber im Regelfall keine sozialen Gruppen, in denen belastbare Beziehungen aufgebaut werden können, auf die wir uns bei Problemen emotional oder sogar physisch verlassen können. Auch die gefühlten Erfolge wie zum Beispiel Erfolge in Videospielen sind im allgemeinen nichts wert, das heißt: Sie bringen keinen Gewinn, den man im Ernstfall gegen etwas Lebensnotwendiges tauschen kann.

Gleichzeitig, während Kinder und Jugendliche am Smartphone scheinbare Bestätigung und scheinbare Erfolge genießen, lernen sie keinen Umgang mit der echten Welt, auf die es ankommt. Es fehlt zum Beispiel Zeit für den wichtigen Austausch mit Erwachsenen, um gute Sprachfähigkeiten zu entwickeln. (vgl. Mupalla 2023) Darüber hinaus lernt unser Gehirn in jungen Jahren im wörtlichsten Sinn durch "Begreifen" (siehe Bluhm 2024). Wenn keine sensorischen Erlebnisse mit greifbaren Objekten gemacht werden, fehlt in der Gehirnentwicklung etwas. Digitale Inhalte, die sich direkt oder indirekt immer auf die echte Welt beziehen, können deshalb später gar nicht verstanden werden. Deshalb sollten Eltern das süchtigmachende und zeitraubende Smartphone möglichst lange von den Kindern fernhalten und stattdessen auf die drei großen 'B's der kindgerechten Bildung setzen: Bauklötze, Bäume und Bücher.

Diese Trias haben wir uns bei Nerdhalla ausgedacht, aber sie passt zu gesicherten wissenschaftlichen Erkenntnissen. Bauklötze, Bäume und Bücher haben alle keine eigene Geschwindkeit, sondern passen sich der Spiel- und Lerngeschwindigkeit des Kindes an. Ein Kleinkind kann einen Bauklotz so lange betrachten und befühlen, wie es will. Und es lernt mit Bauklötzen einen wichtigen Aspekt der dreidimensionalen Welt genauer kennen, nämlich Schwerkraft. Gleichzeitig kann es sich in Fingerfertigkeit und Kreativität üben.

Bäume laufen ebenso wenig weg. Ein Baum verändert sich so langsam, dass die Aufnahmefähigkeit junger Gehirne nicht überfordert wird. Über spielerische einfachste Baumkunde können alle Eltern ihre Kinder mit kleinsten Schritten an die Naturwissenschaft heranführen: Was ist ein Baum? Was ist der Stamm? Was sind die Äste? Was die Blätter? Wenn das Kind älter wird, kann der Detailgrad zunehmen: Unterschiedliche Bätter, unterschiedliche Rinden, Funktion der Wurzeln, Bedeutung von Bäumen für Tiere und Menschen und vieles mehr.

Mit Büchern verhält es sich teilweise ähnlich, teilweise aber auch ganz anders. Genau wie Bauklötze und Bäume geben Bücher keine Geschwindigkeit vor, die ein Kind unter Druck setzt. Jeder Mensch liest oder betrachtet sie in seiner eigenen Geschwindigkeit, in der er den Inhalt am besten aufnehmen kann. Aber Bücher sind auch schon eine Abstraktion der physischen Welt und kein so umfassendes direktes Erlebnis, wie es mit Bauklötzen und Bäumen möglich ist. Bevor Kinder sich selbständig mit Büchern beschäftigen können, sollten im Zweifel Eltern für eine längere Zeit mit ihren Kindern gemeinsam Bilderbücher ansehen und aus Büchern mit Texten vorlesen. Wenn die mentalen Fähigkeiten der Kinder zunehmen, gibt es für jeden Entwicklungsstand einfache und komplizierte Bücher über jedes noch so einfache oder komplizierte Thema, so dass schon für kleinste Kinder geeignete Bücher zu finden sind - bis hin zum Versuch, Quantenphysik auf Kleinkindniveau zu erklären. (vgl. Ferrie 2017) Bücher haben den zusätzlichen Vorteil, dass sie die motorischen Fähigkeiten von Kindern trainieren, während Smartphones und Tablets sie verkümmern lassen. Die Wischgesten auf dem Bildschirm sind so ziemlich das einfachste, was ein Mensch mit seinen Fingern tun kann. Wenn kleine Kinder sich früh daran gewöhnen, fällt es ihnen im Zweifel schwerer, die nötigen Alltagsgriffe zu erlernen, um Besteck zu halten, Knöpfe zu knöpfen oder Schuhe zu binden. (vgl. Freund 2023) Für die Ausbildung künftiger Handwerker, Elektrotechniker und Chirurginnen, die alle hohe Fingerfertigkeit brauchen, tut sich damit eine unnötige Hürde auf. Und der Vorstellung, dass die frühe Beschäftigung mit digitalen Medien bei den Kindern Fähigkeiten für die digitale Welt aus fördere, sollten wir uns auch nicht vorschnell hingeben: Die Bildungsforscherin Birgit Eickelmann formuliert in einem interview pointiert, die IT-KEnntnisse von 40 Prozent der Achtklässler würden sich auf "Klicken und Wischen" beschränken. (Spiewak 2024) Auch in jugendlichem Alter, wenn es mehr um Texte als um Bilder geht, sollten Bücher nicht bedenkenlos durch Bildschirme ersetzt werden. Bücher sollten auf keinen Fall ganz verbannt werden; denn es gibt Hinweise darauf, dass Menschen sich die Informationen aus einem Papier-Buch besser merken können als von einem Bildschirm. (vgl. Beck 2022, Seite 220f.)

Bildschirme abschalten; Kinder stattdessen mit Bauklötzen, Bäumen und Büchern aufwachsen lassen. Kindgerechte Bildung ist also gar nicht kompliziert. Sie ist nur anstrengend - zumindest verglichen mit der verführerischen Möglichkeit, seinem Kind einfach ein Smartphone in die Hand zu drücken und die Ruhe zu genießen. Die Ruhe hat aber den Preis, dass die kindliche Persönlichkeit vom Smartphone quasi aufgesogen und der zweidimensionalen Realität angepasst wird. Wie so oft im Leben muss man sich eben entscheiden. Auf der einen Seite stehen Müßiggang und Zerstreung, die sofort angenehm sind aber langfristig zu Frust und Rückschritt führen. Auf der anderen Seite steht Anstrengung, die langfristig zu Glücksgefühl und Fortschritt führt. Im Falle der eigenen Kinder sollte die Entscheidung für die Anstrengung nicht schwer fallen.

Quellen:



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